#apfelstattquetschie #immerbesserstattperfekt

 

Als Sonja mir letztes Jahr von faircations erzählt und gefragt hat, ob ich mir vorstellen könnte, dabei zu sein, war ich erst einmal total begeistert. Nachhaltiges Reisen, top, voll im Zeitgeist, absolut notwendig, eine sinnstiftende Aufgabe, Reisen per se meine Leidenschaft, tolle Leute beisammen, flexibles Arbeiten – was kann man sich noch mehr wünschen?!

Aber da war auch dieser kleine Zweifel. Nicht an der Idee des nachhaltigen Reisens, sondern ob ich selbst in dieses Thema hineinpasse: Ich habe keinen Social Media Account, auf dem ich Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Alltag oder im Leben mit Kindern oder für Upcycling von nicht mehr benötigten Dingen gebe. Ich bin für meine Freunde nicht die erste Person, die ihnen beim Thema Nachhaltigkeit in den Sinn kommt. Kurzum, ich mache keine richtig großen, tollen, erwähnenswerten nachhaltigen Dinge.

Klar, ich trenne meinen Müll, bekomme die Gemüsekiste vom lokalen Bauern, schau beim Einkaufen auf Fairtrade, esse wenig Fleisch, nutze Kinderflohmärkte etc. Aber ich bestelle auch mal beim globalen Online-Händler statt lokal einzukaufen und wir haben ein großes Familienauto, obwohl wir in der Stadt wohnen. Meinen Kindern habe ich letztens wieder ein „Quetschie“ gekauft, obwohl mir klar ist, dass ein Apfel sinnvoller gewesen wäre. Und ab und zu gibt es den Kaffee im To-go-Plastikbecher, weil ich meinen Mehrwegbecher wieder vergessen habe.

Ich weiß also, dass ich an mancher Stelle noch mehr tun könnte, es aber aus verschiedensten Gründen (noch) nicht angegangen bin. Da siegt dann oftmals die Bequemlichkeit über das schlechte Gewissen.

Bin ich damit wirklich die Richtige für ein nachhaltiges Reise-Start-up? Nach einigem Überlegen kam ich zu dem Schluss: ja, bin ich! Denn am Ende geht es nicht darum, dass jeder alles perfekt macht. Es ist natürlich toll, wenn es manchen Leuten besonders gut gelingt und man damit auch Vorbilder und Inspiration für das eigene Handeln hat. Eine ehemalige Kollegin hat z.B. gerade einen „Unverpackt Laden“ eröffnet und ich feiere sie dafür. Aber es ist in meinen Augen genauso wichtig, dass sich alle in ihrem ganz normalen Alltag in vielen kleinen Schritten zu einem nachhaltigeren Lebensstil hin entwickeln. Ich habe vor kurzem gelesen, dass es in der Gesamtheit effektiver ist, wenn 100 Menschen ihren Fleischkonsum bewusster gestalten und reduzieren, als wenn 10 Menschen komplett auf Fleisch verzichten. Das ist wie beim Sport: immer ein kleines bisschen weiter raus aus der Wohlfühlzone, um Ergebnisse zu erzielen!

Und gerade beim Reisen, wenn faircations bald eine nachhaltige Reiseentscheidung ganz einfach macht, sind wir wieder einen Schritt weiter auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit. Bei dieser Entwicklung will ich dabei sein! Und am Rest arbeite ich auch noch…